Foto-Kalender ErotikPure Dance Posterkalender 2007

Süddeutsche Zeitung, 19.05.05
Es ist keine Schande sich verführen zu lassen. Der vielfach ausgezeichnete Fotograf Dieter Blum, der für den Stern, den Spiegel, Time und Vanity Fair arbeitet, hat sich verführen lassen. Er ist ihr aufgesessen, der Schönheit, der Makellosigkeit von Tanzkörpern, die zwar gleichermaßen gestählt wie Sportlerkörper sind, aber andere Sehnsüchte wecken.

Ein Tanzfotograf hat einmal gesagt, dass man doch eigentlich auf nichts anderes warte als auf die Offenbarung des entblößten Eigentlichen, wenn eine Ballerina auf Spitze im Tütü das Bein hochwirft. (Auf solcher Belohnung lüsterner Blicke beruht ja der Reiz des Cancan).


Aber speziell das klassische Ballett ist reine Sublimierung, kennt kein gender und keinen Sex. Im Ballett verschwindet jede Eindeutigkeit unter Mousselin und Tüll oder im Suspensorium, weshalb es die Tanzfotografen immer wieder aufregend gefunden haben, gerade Balletttänzer und -tänzerinnen vor der Kamera auszuziehen, um den Mann, die Frau unter dem Trikot zu entdecken.

Der holländische Choreograf und Fotograf Hans van Manen etwa hat seine Modelle in eindeutigen Posen, aber grafisch äußerst streng komponierten Bildern eingefroren, die Frauen gern in hochhackigen Pumps als einzigem Kleidungsstück, weil diese Schuhe die Beinmuskulatur noch einmal konturiert und den Gang zur aggressiven Attacke macht.

Der in Köln lebende ehemalige Tänzer und Tanzfotograf Gert Weigelt ist keinesfalls böse, wenn man seine mit wenigen Requisiten versehenen Tänzerakte die enge Verbindung mit Hans van Manens Æuvre ansieht.
Doch beide, van Manen wie Weigelt wahren auch fotografisch die innere Distanz zu den Modellen. Die Bildausschnitte, die Spiele mit Licht und Schatten modellieren deren Körper, so dass stets ein Moment der Verfremdung, ja der Irritation mit ins Spiel kommt.

Täten sie das nicht, dann sähen auch ihre Fotos aus wie die Akte in dem vor kurzem erschienen fetten, 2600 Gramm schweren, pompös aufgemachten Fotoband “Pur Dance” (teNeues Verlag, Kempen 2004, 195 Seiten). Dieter Blum hat die Tänzer des Stuttgarter Balletts ins Visier genommen, hat sie ohne nennenswerten Effekt in hochhackige Schuhe gestellt und sie, man weiß nicht warum, Variationen aus diversen Balletten nackig tanzen lassen. Und hat nicht widerstehen können, sie einzeln 1:1 in bewegter Pose abzulichten, mal im geschlossenen Raum, mal in freier Natur – und das leider auch noch in Farbe.
Diese Aktaufnahmen ähneln, sicher unbeabsichtigt, fatal jenen freikörperkulturellen Bildern vom Monte Verità aus den 1920er Jahren oder, noch schlimmer, jenen Abbildern eines gleichermaßen heroisch verklärten Naturalismus, wie sie in die Propagandakunst jedweder politischen Couleur bevorzugt wurden und werden. Dieter Blums Tanzfotografien sind ein Mehrfach-Missverständnis von Riefenstahl, Hans van Manen bis Helmut Newton. Die allerdings auf allerhöchstem professionellem Niveau.

sur la terre, 01/2005
Die Flüchtigkeit des Tanzes im Bild einzufangen, ist für jeden Fotografen eine Herausforderung, und nicht selten wirken diese Aufnahmen trotz künstlerischer Perfektion seltsam skulpturenhaft oder wie entrückt in einen anderen Raum. Dem international renommierten deutschen Fotografen Dieter Blum ist es gelungen, dem Blick auf athletische Körper und inszenierte Posen eine neue Dimension zu verleihen.
Indem er seine Kamera auf die meist nackten Tänzer und Ballerinas des weltberühmten Stuttgarter Balletts richtet, erforscht er die Kraft, Präzision und Geschmeidigkeit der Bewegung wie von innen heraus. Nichts steht mehr zwischen dem unverhüllten Körper und dem Auge des Betrachters. Vollständige Hingabe an die eigene Kunst sprechen aus diesen Bildern. Die ausdrucksstarken Tanzszenen, akrobatischen Sprünge und Porträts der Gesichter werden dabei von dem Fotokünstler in einen thematischen Kontext gestellt, der die Welt der Tänzer mit unserer verbindet. Vor dem Hintergrund von Bäumen etwa, oder eingebettet in die kräuselnden Wellen am Strand, hebt sich die Plastizität der mal spielerisch, mal meisterhaft beherrschten Körper besonders ab. Dieter Blum “pure dance”, 120 Farb- und s/w-Fotos, Text in Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch. teNeues Verlag, Kempen 2004

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